



Vom Turnverein zum TSV - Schlaglichter einer Entwicklung
Der Beitrag ist eine kurze Zusammenfassung der Ausführungen aus der Festschrift von 1986.
In dieser wurde die Entstehung und Entwicklung der Turnbewegung als Folge der politischen Verhältnisse in Deutschland ausführlich dargestellt.
Es werden Auszüge aus alten Festschriften und Berichte des Hofer Anzeigers dargestellt.
Ein Stamm mit drei Wurzeln der Turnverein von 1861 der erste Sportverein in unserer Stadt
Das erste Deutsche Turnfest, das 1860 in Coburg stattfand, war der Anlass zur Gründung vieler Turnvereine in Bayern - so auch in Hof. Am 3. April 1861 versammelten sich 27 Männer auf dem Theresienstein und gründeten den Turnverein zu Hof von 1861". Zum ersten Vorsitzenden wurde Friedrich Bode gewählt, als Grundlage für die Vereinsstatuten diente die Satzung des Leipziger Turnvereins. Der hier gewählte erste Turnrat bestand aus fünf Mitgliedern: Vorstand Bode, Turnwart Böhring, Schriftwart Pößnecker, Säckelwart Lindner und Zeugwart Hendel.
Die Turner benutzten den Oberen Anger als Turnplatz und der Stadtmagistrat, der mit Wohlwollen von der Vereinsgründung Kenntnis genommen hatte", stellte den Bau einer Turnhalle in Aussicht. Zunächst aber fand das Winterturnen in der Hospitalscheune und einem zur Verfügung gestellten Rathaussaal, später in der Reithalle statt. Am 20. September 1868 wurde schliesslich die Neustädter Turnhalle eingeweiht und fortan als Übungsstätte von den Turnern genutzt.
Turnhalle am Gymnasiumsplatz
Am 28. März 1874 genehmigte der Stadtmagistrat die Gründung eines zweiten Turnvereins in Hof, der zunächst als Turnverein II zu Hof ab 1876 "Allgemeiner Turnverein 1874 in Hof firmierte. Dieser Verein stellte neben den sportlichen auch soziale Aufgaben in den Mittelpunkt seines Wirkens. Eine Sänger- und Musikabteilung, eine Turnerfeuerwehr und die Freiwillige Sanitätskolonne" - die beiden letztgenannten in enger Zusammenarbeit mit den Turnern des Turnvereins zu Hof von 1861 - standen neben dem Sport im Mittelpunkt des Vereinslebens.
Im Jahre 1895 kam es nach Meinungsverschiedenheiten innerhalb des Allgemeinen Turnvereins zu einer Spaltung. Einige Mitglieder gründeten daraufhin den Turnerbund 1895 Hof erst nach 40 Jahren (1935) schlossen sich die beiden Vereine wieder zur Turngemeinde Hof zusammen.
Vereinstreffen am Theresienstein
Vom Turnen zum Spiel
Friedrich Ludwig Jahn ging es bei der Begründung der Turnbewegung keineswegs - wie auch heute noch vielfach falsch interpretiert - allein um das Geräteturnen, vielmehr sollte die Jugend weg vom Drill, hin zur Freude und zum frohen Spiel in der Gruppe" geführt werden. Diesen Teil der jahnschen Idee nahmen die Turnvereine erst am Ende des 19. Jahrhunderts wieder auf. So reagierte auch der TV Hof 1861 auf diese Entwicklung: Am 4. Mai 1898 wurde die Fußballspielabteilung des TV Hof gegründet, die sich 1903 in Spielvereinigung des TV Hof umbenannte. Neben Fussball wurden auch noch andere Rasenspiele wie Faustball und Schlagball gepflegt und auch die Leichtathletik kam in Mode. Da nun für den "Sport" (so nannte man damals alle körperlichen Bewegungsarten, außer dem Turnen) eine größere Fläche gebraucht wurde, pachtete der TV im Jahre 1905 die Wiese hinter dem Schlachthof, die er 1909 erwarb (Kulmbacher Strasse).
Der Turnbewegung alten Schlages war diese Entwicklung hin zum "Sport" in ganz Deutschland nicht genehm. In der Generalversammlung des TV Hof am 21.Februar 1924 in der Gaststätte Traube musste die Spielvereinigung, die 30 Jahre lang als Unterabteilung des TV Hof bestanden hatte, von ihrem Stammverein Abschied nehmen. Es wurde ein eigener Verein gegründet, die" Spielvereinigung Hof" Der Vollständigkeit halber sei auch erwähnt, dass die gegründete Hockeyabteilung im Jahre 1927 in den Reichsbahn- Turn - und Sportverein" ausgegliedert wurde.
Zusammenschluss der alten Turnvereine
Unter dem Druck der politischen Verhältnisse schlossen sich im Jahr 1937 der " Turnverein zu Hof 1861" und die erst 1935 gegründete Turngemeinde Hof zur " Turnerschaft Hof von 1861“ zusammen. In der Folgezeit hatten die Turner um ihre Existenz zu kämpfen. Der totalitäre Machtanspruch des Dritten Reiches unterdrückte jede eigenständige Entwicklung und Tradition. Die Turnvereine wurden gleichgeschaltet und gingen im Reichsbund für Leibesübung auf. Die politischen Organisationen hatten Vorrang und die Jugend wurde von HJ und BdM nur in Ausnahmefällen für Vereinszwecke freigegeben. Die Aufrechterhaltung des Sportbetriebs war nur noch mit großen Einschränkungen möglich. Trotzdem wurde der Vereinsbetrieb bis zum Zusammenbruch 1945 notdürftig aufrechterhalten.
1946 kam nach der Erstarrung des Nachkriegsjahres wieder neues Leben in den Verein.
Der zunehmende Sportbetrieb in den Unterabteilungen und die Differenziertheit der Leibesbungen bewegten die Verantwortlichen zu einer Abkehr vom Begriff der Turnerschaft, so dass sich der Verein nach den neuen Statuten vom 6.März 1949 in Turn- und Sportverein Hof 1861" umbenannte. Diesen Namen trägt er bis zum heutigen Tage.
Heimatsuche
Wie bereits oben erwähnt, konnte keiner der drei Vereine zunächst einen Platz, eine Halle oder gar ein Vereinsheim sein eigen nennen. Alle waren darauf angewiesen, die städtischen Einrichtungen zu nutzen. Als Vereinsheime wurden meist Gasthäuser gewählt. Der TV hatte 1904 einen Grunderwerbsfond eingerichtet und diesen nach dem Erwerb der Schlachthofwiese als Turnhallenfond weitergeführt, um eine eigene Halle bauen zu können.
Aber der 1. Weltkrieg und die darauf folgende Inflation machten alle Pläne zunichte. Als 1928 ein neuer Grundstock angespart war, musste der Verein einen Teil des Geländes für die Erweiterung des Schlachthofes an die Stadt abtreten. Es musste ein neues Grundstck gesucht werden. 1930 wurde durch Tausch und Einsatz von Eigenmitteln das jetzige Vereinsgrundstück an der Jahnstrasse erworben und durch hohen freiwilligen Arbeitseinsatz der Mitglieder konnte der Jahnsportplatz entstehen.
1933 wurde das Jahnheim, ein kleiner Bau mit Küche, Umkleiderämen und einem Versammlungsraum, errichtet und erfüllte seinen Zweck bis in die Nachkriegsjahre. 1954 wurde das Gebäude durch das Jahnheim in seiner heutigen Form ersetzt. Damit war das Problem Vereinsheim gelöst, von einer eigenen Halle konnte aber immer noch nicht die Rede sein.
Zwar gab es schon 1932 konkrete Pläne der Architekten Bock und Paatsch aus Leipzig für einen Hallenbau, der gleichzeitig als Saalbau für große öffentliche Veranstaltungen dienen sollte, sie waren aber unter den politischen Verhältnissen nicht mehr umsetzbar. Erst 1975 sollte der Traum von einer eigenen Halle in Erfüllung gehen. Der TSV stellte der Stadt den Hallengrund kostenlos in Erbpacht zur Verfügung und brachte einen Eigenanteil von 200.000 DM auf. Mit einem Bundeszuschuss von 722.000 DM und städtischen Mitteln von 600.000 DM war die Finanzierung gesichert. Am 25. April 1975 wurde die Jahnsporthalle feierlich eingeweiht und konnte von da ab vom Verein ausserhalb der Schulstunden nach eigenem Ermessen genutzt werden. Durch den späteren Einbau einer Tribüne konnte die Halle zur Veranstaltungshalle aufgewertet werden.
Im Januar 2009 musste die Halle wegen Baufälligkeit von heute auf morgen geschlossen werden. Trotz der prekären finanziellen Lage beschloss der Stadtrat schon einen Monat später den Neubau der Halle. Bereits im Mai 2010 erfolgte der erste Spatenstich für die neue Jahnhalle, die 2011 eingeweiht werden soll.

Spatenstich
v.l.n.r.: Bürgermeister Bernd Scherdel, Schulleiter Rainer Schmidt, MdL Alexander König,
OB Dr.Harald Fichtner, 1.Vorsitzender Horst Trötscher, Staatssekretär Eck, Bürgermeister Eberhard Siller, Regierungspräsident Wilhelm Wenning
Die weitere Entwicklung wird in anderen Beiträgen in Text und Bild dargestellt.